Mittwoch, 31. März 2010

03.02.2010 – 13.03.2010: Florida

03.02.2010 – Panhandle – Die vergessene Küste


Florida empfing uns mit Sonne pur! Endlich hatten wir wieder unser Wunschwetter – die Floridaumrundung konnte beginnen.


Der westliche Teil Floridas, von der Grenze zu Alabama bis etwa nach Tallahassee, Floridas Hauptstadt, wird auch als Panhandle (Pfannenstiel), abgeleitet von seiner geografischen Form, bezeichnet. Hier liegt die Forgotten Coast (vergessene Küste), was mittlerweile zu einem Markenzeichen für ursprünglichen, im Einklang mit der Natur stehenden Tourismus geworden ist. Sanft schmiegen sich kleine Hotels und Ferienhäuser an die Dünen - von protzigen Hotelbauten, großen Restaurants oder gar Nachtleben keine Spur.


Die Landschaft ist rau und unverfälscht, sie hat ihren eigenen Reiz. Auf unserer Fahrt nach Osten erlebten wir eine wunderschöne Golfküste mit den für Florida typischen vorgelagerten Inseln, mit schneeweißen Sandstränden und fast unberührter Natur.


Viele der Ferienhäuser wurden in den letzten Jahren neu aufgebaut, nachdem im Jahre 2005 der Hurrikan Katrina eine unvorstellbare Verwüstung angerichtet hatte. Heute wird stabiler und fast ausschließlich auf Pfählen gebaut, so dass die nächste Flutwelle keinen so großen Schaden anrichten kann.


Hier am Panhandle ist, im Gegensatz zur Ostküste, die Hauptsaison im Sommer. Viele der privaten Ferienhäuser waren noch unbewohnt und so störte sich niemand daran, dass wir meist unseren Stellplatz für die Nacht zwischen den Ferienhäusern und den schützenden Dünen am Meer hatten.


„In Apalachicola muss man Austern essen“ sagten uns die Einheimischen immer wieder. 90 % von Floridas Austern werden hier gefischt und verarbeitet oder kommen gleich ganz frisch in den kleinen Fischrestaurants auf den Tisch. Zweimal haben wir Anlauf genommen, um Austern zu probieren, uns dann aber doch jedes Mal für einen fangfrischen Seefisch entschieden. Wir können also immer noch nicht mitreden, wenn es in Feinschmeckergesprächen um Austern geht.


08.02.2010 – Westküste – sanfter Tourismus und viel Natur


Was wir am Panhandle schätzen gelernt haben setzte sich an der Westküste Floridas noch ein weiteres Stück fort. Neben der ursprünglichen Landschaft waren es vor allem die vielen großen Seevögel, die uns begeisterten. Anfangs mussten wir noch oft unser ornithologisches Reisebuch benutzen, doch dann fiel es uns zunehmend leichter Ibisse, Reiher, Störche, Kormorane und die allgegenwärtigen Pelikane zu erkennen und manchmal sogar ihre Unterarten zu bestimmen.


Mit dem Ballungsgebiet um Tampa/ St. Petersburg endete der beschauliche Teil der Küste und schlagartig waren wir an einem Küstenabschnitt angekommen, der durch Business und Massentourismus geprägt ist. Im dichten Verkehr schoben wir uns durch die, von modernen Hochhäusern und Hotels gesäumten Straßen St. Petersburgs, überquerten die Old Tampa Bay auf der Gandy Bridge und waren recht froh, als es südlich von Tampa wieder etwas ruhiger und wohnmobilfreundlicher wurde.


Auf den bei Ft. Myers gelegenen Inseln Sanibel und Captiva fanden wir uns in einer anderen Welt wieder. Angenehm unerschlossen und noch nicht vom Baufieber befallen hat das Leben hier seinen eigenen Takt. Die Inseln sind üppig bewachsen und selbst die wenigen Häuser verstecken sich hinter tropischem Grün. Sanibel ist berühmt für seine Muschelstrände. Hier werden die schönsten und größten Muscheln der ganzen Westküste angeschwemmt. Im Bailey-Matthews Shell Museum konnten wir die prächtigen Exemplare bewundern und mit unserer bescheidenen Ausbeute vergleichen.


Über eine kleine Brücke geht es von Sanibel zur Nachbarinsel Captiva. Diese besteht an vielen Stellen aus einem, nur wenige Meter breiten Sandstreifen, auf dem gerade die Durchgangsstraße und die prächtigen Villengrundstücke Platz haben. Dort, wo um 1800 der Pirat Jose Gaspar seinen Harem gefangen hielt wohnt jetzt die Oberschicht Floridas.


Nur 60 Kilometer südlich liegt die vornehme Kleinstadt Naples. Golfplätze, Villen und eine Nobel-Einkaufsmeile in der Fifth Avenue sind ganz nach dem Geschmack ihrer wohlhabenden Bewohner, die sich bis heute erfolgreich gegen Bettenburgen und Massentourismus gewehrt haben.


Uns gefiel es in Naples auch recht gut und so legten wir zwei Ruhetage ein, bevor wir in Richtung Everglades starteten.


14.02.2010 – Everglades – Vorsicht Aligatoren!


Von Naples führen zwei Highways durch die Everglades nach Miami, der Highway 75, auch als Everglades Parkway bezeichnet, und der als Tamiami Trail bekannte ältere Highway 41. Wir wählten Letzteren für unsere Fahrt nach Osten, weil er näher am Nationalpark verläuft und beschaulicher befahren werden kann.


Diese Entscheidung war völlig richtig, denn der gemächlich neben der Strasse dahin fließende Tamiami Canal bietet Lebensraum für viele Wasservögel, Schildkröten – und Alligatoren.

Schon nach wenigen Kilometern hatte ich den ersten Alligator im Kanal entdeckt. Petra wollte es nicht glauben und fast hätte ich gewendet, doch dann ging es erst richtig los.


Im Kanal lagen hunderte Alligatoren faul in der Sonne. Es war unglaublich. Wir hatten gehofft, in den Everglades wenigstens einen Alligator in freier Wildbahn zu sehen und dann dieses Schauspiel. Soweit es der Verkehr und die Straßenverhältnisse zuließen haben wir angehalten und die exotischen Reptilien beobachtet. Auf den, ins Hinterland abgehenden Stichstraßen und Wegen war die Beobachtung der gefährlichen Tiere noch besser möglich. Mit Herzklopfen hab ich mich an ein Prachtexemplar bis auf ca. 5 Meter rangewagt. Der Alligator lag wie versteinert am Ufer – aber seine Augen bewegten sich und beobachteten mich ganz genau.


Wie gefährlich Alligatoren wirklich sind erläuterte uns ein Indianer vom Stamm der Miccosukee/ Seminole. Diese Ureinwohner Floridas wurden im 19. Jahrhundert nach Westen verdrängt und leben seit dieser Zeit im Marschland der Everglades, zwischen hunderten Alligatoren. Es ist übrigens auch der einzige Indianerstamm, der niemals von den weißen Eroberern besiegt wurde. Das Bändigen von Alligatoren hat in diesem Indianerstamm Tradition und wird heute als Show vorgeführt. Ohne Furcht riss der Indianer dem gefährlichen Tier das Maul auf und legte seinen Arm zwischen die scharfen Zähne. Alligatoren sind gemein und gefährlich und so verwunderte es besonders, was dieser Indianer sich traute. Sogar seinen Kopf hatte er im mächtigen Maul des Tieres.


In dem Indianerdorf wurde dann auch Petras Wunsch erfüllt, sie konnte ein Alligatorbaby in den Händen halten und den aufgeregten Herzschlag des kleinen Reptils spüren.


Natürlich gehörte zu einem Besuch der Everglades auch die Fahrt mit einem Airboot. Mit einem Höllenlärm, wie beim Start eines Flugzeuges, donnerte es übe den grasbewachsenen Fluss. Ohne Ohrstöpsel hätte wir diesen Lärm nicht ertragen. Am nächsten Tag mieteten wir uns am Flamingo Point ein Kanu und erlebten das volle Kontrastprogramm zum Airboot. Beschaulich und still glitten wir über den Fluss und konnten neben vielen anderen Tieren einige Manatees (westindische Seekühe) beobachten. Die Fahrt mit dem Kanu hat uns dann doch besser gefallen, trotz unseres Muskelkaters, den wir nach 5 Stunden angestrengten Paddelns hatten.


18.02.2010 – Key West - selbstbewusst und etwas aufsässig


Die Florida-Keys sind eine Inselgruppe mit über 800, zum Teil sehr kleinen Inseln, von denen nur 45 besiedelt sind. Der Name Key hat nichts, wie wir erst annahmen, mit dem englischen Begriff Schlüssel zu tun, sondern ist vom spanischen Cago (Inselchen) abgeleitet. Die Erschließung der Keys begann im Jahre 1912, als Henry Flagler seine Eisenbahnverbindung von St. Augustin über Miami bis nach Key West verlängerte. 1935 wurde die Bahnlinie durch einen Hurrikan zerstört – auf den stabilen Brücken wurde dann der Overseas-Highway gebaut. Heute beginnt dieser Highway in Florida City bei Meile 126 und verläuft über 42 Brücken bis zur Meile 0 auf Key West, dem südlichsten Punkt der USA.


Eine Fahrt über die, wie auf einer Perlenkette aufgefädelten Keys ist ein ganz besonderes Erlebnis. Während die Strecke von Key Largo bis Islamorada noch so stark mit touristischen Shops und Hotels zugebaut ist, dass wir vom Highway nicht einmal das Wasser sehen konnten, wurden die Inseln südwärts zunehmend kleiner und ursprünglicher. Der Blick war frei auf das türkisfarbene Wasser und die palmengesäumten Strände. Angeln scheint hier die Hauptbeschäftigung zu sein, die vielen Brücken sind dafür hervorragend geeignet.


Das Leben hat hier einen anderen Rhythmus als auf dem Festland und das setzt sich in Key West, dem Ziel und Höhepunkt einer Fahrt über die Keys fort. Alle sagten, dass Key West ein bisschen verrückt sei – anders ist es allemal.


Hier trifft man ausgeflippte Typen und Originale. Am Straßenrand stand eine alte Frau mit langem wirren Haar, Schlapphut und Zigarre im Mundwinkel. Wie eine Statistin eines Piratenfilmes war sie doch ganz real und nicht ungewöhnlich für Key West.


In einer kleinen Bar am alten Hafen treffen wir Peter – ein Key West Urgestein. „Die Leute leben hier nach ihren eigenen Vorstellungen“ klärt er uns auf. „Noch vor hundert Jahren bestand der Haupterwerb in Piraterie, Wrackbergungen, Schmuggel und etwas Fischfang.“ Geschmuggelt wurde auch später noch, Kuba ist näher als das Festland und die Keys sind schwer zu kontrollieren. Und dann erzählte uns Peter mit Stolz und einem verschmitzten Lächeln von den Ereignissen im April 1982.


„Im Kampf gegen Drogen, Schmuggel und illegale Einwanderer hat die amerikanische Grenzkontrollbehörde 1982 eine Kontrollstelle auf dem Overseas-Highway vor Key West eingerichtet. Die Stadtregierung erwartete negative Auswirkungen auf den Tourismus, der Haupteinnahmequelle von Key West, und klagte gegen diese Maßnahme – jedoch ohne Erfolg. Andere Städte wären in Berufung gegangen – aber nicht Key West. Am 23. April 1982 erklärte Key West seine Unabhängigkeit und rief die Conch Republik aus. Die neugegründete Conch

Republik erklärte den USA den Krieg, kapitulierte sofort bedingungslos und ersuchte um Hilfe für den Wiederaufbau.“ An diesem Punkt seiner Erzählung konnte Peter sich das Lachen nicht mehr verkneifen und er stammelte nur noch: „It was great“ (Es war großartig).


Obwohl die Conch-Republik nur einen Tag existierte bewirkte ihre Popularität, dass die Kontrollen eingestellt wurden. Die Bewohner von Key West sind Stolz auf ihre Conch Republik, auf diesen einen Tag Unabhängigkeit, und sie zeigen es mit wehenden Fahnen vor ihren Häusern.


Key West ist in jeder Beziehung etwas Besonderes und es gefiel uns gut, durch die alten Straßen und engen Gassen zu schlendern, vorbei an Bars und Restaurants, an Shops und Zigarrenmanufakturen. Die Häuser haben einen eigenen Stil und je weiter wir uns vom Zentrum entfernten, umso typischer, unverfälschter und karibischer wurde die Wohngegend.


In einem netten Restaurant feierten wir dann noch Petras Geburtstag. Es war so schön, dass wir die Zeit vergaßen und plötzlich war es dunkel. Sollten wir wirklich noch mal 70 $ für den miserablen Campingplatz kurz vor Key West bezahlen – wir blieben an diesem Abend einfach auf dem wilden Parkplatz am Museumshafen stehen und erst am nächsten Morgen sahen wir das rote Schild mit der Aufschrift „NO RV´s – TOW AWAY ZONE“ (keine Wohnmobile – Abschleppzone). Das wäre ja noch eine tolle Geburtstagsüberraschung gewesen.


21.02.2010 – Miami – Traumstadt mit Zollbürokratie


Miami hat einfach alles: Traumstrände, tolles Wetter, interessante Art Deco Architektur, Kunst und Nachtleben - dazu noch einen Bevölkerungsmix, welcher die Lebensart und vor allem die Restaurantszene nachhaltig beeinflusst hat. Über die Hälfte der Bevölkerung stammt aus Lateinamerika und in manchen Stadtbezirken wird ausschließlich Spanisch gesprochen.


Wir verbrachten in dieser wunderbaren Stadt über eine Woche, vorrangig im etwas ruhigeren nördlichen Bereich und an den naturbelassenen Stränden des John U. Lloyd Beach Stateparks. Der Grund für den ziemlich langen Aufenthalt war nicht nur die Stadt selbst und das sonnige Badewetter, sondern vorrangig unsere täglichen Gespräche mit UPS und Zoll. Wir hatten uns einige Dinge aus Deutschland schicken lassen und Miami war wohl als Ankunftsflughafen für diese Sendung keine gute Entscheidung.


Noch heute ist Miami ein Drogenumschlagplatz und die Zollbehörde geht sehr rigoros vor. Unser Paket wurde vom Zoll konfisziert und damit begann die Odyssee. Vorsorglich wurden wir gleich beim ersten Kontakt mit dem Zoll über die Konditionen informiert: 2 Jahre Gefängnis, 5000 $ Geldstrafe oder beides erwarteten uns, wenn wir uns den Anweisungen widersetzen sollten. Mit vielen Formularen musste der Inhalt und die Herkunft unserer Sendung deklariert werden – wir waren plötzlich nicht mehr die Empfänger dieses Paketes sondern Importeure. Alle Formulare mussten von einem professionellem Costum Broker ausgefertigt werden. Die Zollbeamten waren äußerst unfreundlich und arrogant – freundlich war nur unser Broker, er kassierte dann auch fast 300 $ für seine Dienste. Der Inhalt unseres Paketes wurde dann per Stempel zur Einfuhr freigegeben und wir ärgerten uns über die unnötige Mehrausgabe.


Miami und vor allem die ruhigen und sauberen Vororte etwas abseits der Küste bleiben uns in guter Erinnerung und auch der Umgang mit der Zollbehörde war für uns eine neue Erfahrung. Jetzt wissen wir, dass unsere deutsche Bürokratie von den USA weit übertroffen wird.


05.03.2010 – Cap Canaveral – Raumfahrt zum Anfassen


Durch den Zwangsaufenthalt in Miami haben wir den Raketenstart der Launch Alliance Delta 4 Rakete vom Cape Canaveral am 25.03. verpasst. Den beeindruckenden Weltraumbahnhof haben wir uns dann, auch ohne Raketenstart, angesehen.


Das 500 km² große Gelände liegt auf einer Insel vor Tittusville, mitten im Merritt Island Nature Wildlife Refuge. Hier leben mehr bedrohte Wildtierarten als irgendwo sonst in den USA. Der Schutz dieser Tiere und der sorgsame Umgang mit der Natur wurde in einigen Präsentationen im Besucherzentrum des J. F. Kennedy Space Center dargestellt – Kernpunkt der umfangreichen Informationen war jedoch die Entwicklung der Raketentechnik und der Raumfahrt, die 1949 mit den ersten Startversuchen auf Cape Canaveral durch das Team vom deutschen Raketenspezialist Wernher von Braun begann. Sehr gut versteht man es hier, die Erfolge der amerikanischen Raumfahrt und der, nach dem Sputnikschock gegründeten NASA zu präsentieren.


Der Wettlauf mit dem russischen Raumfahrtprogramm schien mit der Mondlandung von Apollo 11 am 20. Juli 1969 gewonnen. Bis zu diesem Meilenstein in der amerikanischen Raumfahrt ist die Präsentation sehr umfangreich und beeindruckend – alles Nachfolgende ist etwas unterrepräsentiert.


Im Kennedy Space Center Visitor Komplex gibt es nicht nur Informationen sondern auch Raumfahrt zum Anfassen und Erleben. Für Letzteres wurde von einem Astronauten die Shuttle Launch Experience entwickelt. Die Werbung für diesen simulierten Raumflug verspricht eine imaginäre Geschwindigkeit von 28.000 km/h und ein Gefühl wie beim Start des Space Shuttle. Für uns war es spannend und aufregend zugleich – ob der simulierte Flug ins All der Wirklichkeit nahe kommt können wohl nur ganz wenige Menschen beurteilen.


10.03.2010 – St. Augustine – älteste Stadt der USA


Auf der Fahrt nach St. Augustine passieren wir Daytona Beach. Diese autoverrückte Stadt wird auch als Wiege des NASCAR- Rennens bezeichnet. Die ersten Rennen fanden noch auf dem harten Sandstrand statt bis der Daytona International Speedway gebaut wurde. Der Stadtstrand kann auch heute noch auf einer Länge von 37 km befahren werden, eben nur etwas langsamer. In dieser Stadt sind Autos Religion und so verwundert es auch nicht, dass es in Daytona Beach eine Drive-In-Kirche nach dem Vorbild der Autokinos gibt – verrücktes Amerika!!


Wenige Kilometer nördlich ist man in St. Augustine stolz darauf in der ältesten Stadt der USA zu leben. 1565 von den Spaniern gegründet hat die Stadt eine wesentliche Rolle bei der Besiedlung von Florida und des gesamten Südens gespielt. Engländer und Spanier lieferten sich hier erbitterte Kämpfe um das Castillo de San Marcos und die damit verbundene Vorherrschaft in Florida. Das Fort ist heute ein National Monument und stellt sehr gut das Leben und die kriegerischen Auseinandersetzungen der letzten Jahrhunderte dar. Während einer zweimonatigen Belagerung durch die Briten im Jahre 1702 lebten 1200 Einwohner der Stadt und 300 Soldaten auf engsten Raum in dem Fort.


Aus der spanischen Epoche stammen auch viele Gebäude in der liebenswerten Altstadt. Die Stadt hat sich vielen modernen Trends widersetzt und profitiert heute davon – sie hat einen ganz eigenen Charme. Wir bummelten am Abend durch das Spanish Quarter, die Altstadt von St. Augustine, und fühlen uns fast wie in der „alten Welt“. In den urigen Kneipen wird Lifemusik gespielt, Tapas und ofenfrische Pizza wurden an der Strasse zur Verkostung gereicht und manche historische Schankwirtschaft sah aus wie vor einigen hundert Jahren.


Die älteste Schule und das älteste Wohnhaus der USA kann man hier ebenso besichtigen wie die zwei, vom Eisenbahnpionier Henry Flagler gebauten Nobelhotels. Diese gehören aber schon eher in die modernere Geschichte St. Augustins. Mit diesen Hotels und der Eisenbahn begann in St. Augustin die Entwicklung von Floridas Ostküste zu einem Urlaubsparadies, vorerst jedoch nur für die wohlhabende Oberschicht. Die ehemaligen Luxushotels werden heute als Museum und als Flagler College genutzt. Hier wohnen die Studenten im wohl vornehmsten Studentenwohnheim der Welt.


Das authentische St. Augustine hat uns sehr gut gefallen. Gut gefielen uns auch die Strände nahe der Stadt, so dass wir 3 Tage hier verbrachten bis uns die Realität in Form unseres Zeitplanes wieder eingeholt hatte.


Mit sehr schönen Eindrücken verließen wir Florida und waren sehr froh, dass wir uns diesen „kleinen Umweg“ von der Westküste gegönnt haben.

Florida bietet noch so viel Sehens- und Erlebenswertes, dass wir auch hier sicher nicht das letzte Mal gewesen sind.

Mittwoch, 24. Februar 2010

23.01.2010 – 02.02.2010: Von Arizona nach Florida


24.01.2010 – Saguaro Nationalpark (AZ)


In Gedanken an die schöne Zeit und die vielen interessanten Begegnungen in Mesa rollten wir auf der Interstate 10 nach Tucson. Irgendetwas hatte uns in den letzten Wochen gefehlt und wir wussten jetzt auch genau was es war – wir gehören auf die Straße! Wir wollen reisen und noch viele der landschaftlichen Höhepunkte sehen, die dieser Kontinent zu bieten hat.

Kurz vor Tucson lag unser erstes Ziel, der Saguaro Nationalpark West. Hier wird der Saguaro Kaktus (deutsch Kandelaberkaktus), der Herrscher der Wüste und Statist vieler Westernfilme, in seinem natürlichen Lebensraum geschützt. Bis zu 15 Meter hoch, 8 Tonnen schwer und 150 Jahre alt kann dieser Kaktus werden. Erst nach 75 Jahren bilden sich die ersten Seitentriebe. Wie alle Nationalparks besitzt auch der Saguaro eine Vielzahl gut ausgeschilderter Wanderwege. In der Visitor-Information haben wir uns einen schönen Rundweg empfehlen lassen, auf dem wir den Park mit seiner Wüstenflora und -fauna erkunden konnten. Mehrere Arten von Klapperschlangen, die hochgiftige Arizona Korallenschlange sowie Skorpione und Taranteln sind hier heimisch – haben sich uns aber nicht gezeigt.

Nach unserer dreistündigen Wanderung hatte Basko eine neue Angewohnheit. Wenn ein kleiner Stachel oder eine dieser stacheligen Kugeln an seinen Füßen klebte, dann ging er keinen Schritt weiter und hob die Pfote bis wir alles entfernt hatten. Das machte ihm aber einen solchen Spaß, dass er immer mal die Pfote hob, auch wenn nichts eingespießt war. Ein kurzes Streicheln über die Pfote reichte ihm, und er lief wieder los. Petra war überzeugt, dass Basko sich das von den Fußballspielern abgeguckt hat. Na, ich weiß ja nicht!

26.01.2010 – Schneeweißer Sand mitten im Rakentestgelände (NM)


Bald waren wir an der Grenze zu New Mexico angekommen und die Landschaft hatte sich kaum verändert. Wir fuhren durch karge und scheinbar endlose Grasebenen, die Teil der Chihuahuawüste sind.

Am Straßenrand standen zunehmend Warn- und Verbotsschilder. Beim genauen Lesen der Hinweise wurde uns klar, dass wir uns mitten im größten Raketenversuchsgelände New Mexicos, der White Sands Missile Range, befanden. Traurige Berühmtheit erlangte das Testgelände am 16. Juli 1945, als die erste Atombombe in Vorbereitung des Abwurfes auf Hiroshima hier gezündet wurde. Noch heute ist die abgelegene Gegend eine wichtige Militärbasis und ein alternativer Landeplatz für das Space Shuttle.

Mitten im militärischen Sperrgebiet liegt das White Sands Nationalmonument. Der Highway 70 als einzige Zufahrtsstrasse ist streng überwacht, und nach zwei Fahrzeug- und Personenkontrollstellen hatten wir die außergewöhnliche und einmalige Dünenlandschaft erreicht.

Aus Gipsablagerungen im Lake Lucero entstehen schneeweiße Sandkristalle, die bis zu 15 Meter hohe Dünen bilden. Diese Dünen verändern durch den zum Teil starken Wind ihre Form und Position. Die Besucherstrasse war so stark verweht, dass sie mit Schneepflügen freigehalten werden musste.

Beim Befahren der weißen Straßen fühlten wir uns wie in einer Winterlandschaft. Intuitiv fuhren wir langsam und vorsichtig – wie auf frischem Schnee. An einigen Stellen konnten wir die Dünen besteigen und in dieser Einsamkeit und Stille etwas wandern.

Die wenigen Pflanzen trotzen den Sandstürmen und bilden mit ihren Wurzeln und dem daran gehaltenen Sand eigenartige Hügel. Selbst die hier lebenden Tiere haben sich der Umgebung angepasst. Zur besseren Tarnung haben sie eine weiße Farbe angenommen.

Wir waren nicht so angepasst, denn nach einem halben Tag in den Dünen schmerzten uns die Augen von dem intensiven Licht.

27.01.2010 – Der UFO-Mythos lebt in Roswell (NM)

Wir fuhren weiter nach Roswell. Die wenigen Orte an der Strecke leben auch heute noch ausschließlich vom Raumfahrt- und Atomforschungszentrum Alamogordo. Vielleicht war dieses Forschungszentrum auch der Grund für die Ereignisse, die sich vor mehr als 60 Jahren in dieser Gegend abspielten.

War es nun ein Ufo, ein Spionage- oder ein Wetterballon, der am 14. Juni 1947 nahe Roswell auf der Farm von Mac Brazel abstürzte? Die Frage ist bis heute unbeantwortet und lässt Raum für alle möglichen Spekulationen. Der sogenannte Roswell-Zwischenfall machte die eher unspektakuläre Kleinstadt über Nacht weltbekannt.

Im UFO-Museum Roswell konnten wir alle Einzelheiten dieses Ereignisses und die Verschleierung durch das US-Militär besichtigen und nachvollziehen. Das Museum besitzt außerdem die weltgrößte wissenschaftliche UFO-Bibliothek. Mittlerweile ist Roswell das Zentrum der weltweiten UFO-Bewegung, die sich jedes Jahr hier zu Konferenzen und Workshops trifft.

So profitiert Roswell bis heute von diesem spektakulären Vorfall und die einheimische Tourismusbranche hält den UFO-Mythos am Leben.

28.01.2010 – Ein Spaziergang 250 Meter unter der Erde (NM)

In Carlsbad, der kleinen Stadt im äußersten Südosten von New Mexico, kann man über die touristischen Aktivitäten Roswells nur lächeln. Im Umfeld der Stadt befindet sich eine echte Weltattraktion – die Carlsbad Caverns.

Dieses weltgrößte öffentlich zugängliche Höhlensystem wurde erst in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts von Jim White entdeckt und erforscht. Seit 1930 sind die Carlsbad Caverns ein Nationalpark, dessen Aufgabe darin besteht die Höhlen für Besucher zugänglich zu machen und vor allem die filigranen und leicht verletzlichen Strukturen der Höhlen zu erhalten.

Darüber hinaus liegt es in der Verantwortung des Nationalparks, das gesamte, aus über 100 Höhlen bestehende, 190 km² große Areal in den Guadalupe-Mountains weiter zu erforschen und als Weltkulturerbe zu verwalten. Höhlenforschern aus allen Teilen der Erde wird Möglichkeit geboten, sich an der an der Erforschung der unberührten Höhlen zu beteiligen.

Die große, individuell zugängliche Haupthöhle ist hervorragend erschlossen. Auf einem 3,2 km langen Spaziergang bewunderten wir die bizarren Formen und filigranen Muster, der über Millionen Jahre geformten Stalagmiten und Stalaktiten. Alles ist sehr eindrucksvoll mit der passenden, meist sparsamen Beleuchtung in Szene gesetzt.

Die Dimension der Höhle ist gewaltig. Mit 600 mal 180 Meter Grundfläche und 60 Meter Höhe ist der Big Room der größte Raum der Haupthöhle. Einige Bereiche sind thematisch als chinesisches Theater oder als Zoo bezeichnet, und mit etwas Phantasie erkannten wir wirklich chinesische Skulpturen und die verschiedensten Tiere in den schroffen Ablagerungen.

Mit dem Lift fuhren wir dann die 250 Meter an die Oberfläche zurück und wurden mit starkem Regen empfangen. In der Nacht wurde aus dem Regen dann Eis und Schnee und am nächsten Morgen erwartete uns eine Überraschung.

29.01.2010 – Flucht nach Florida

Nun musste ich schon das zweite Mal meine bisherige Meinung über das Wetter in Nordamerika korrigieren. In Alaska hatte ich Schnee, Eis und Kälte, aber niemals so schönes und warmes Wetter erwartet, wie wir es dann erlebt haben. Hier, im äußersten Süden der USA hingegen traute ich meinen Augen kaum, als das Thermometer am Morgen -12 Grad Celsius anzeigte. Darauf waren wir nicht vorbereitet.

Wir hatten den Hobby in der Nacht nicht geheizt und so war uns das Wasser eingefroren und der Warmwasserboiler hatte sich automatisch entleert. Von außen war das ganze Wohnmobil mit einer Eisschicht überzogen, so dass wir erst einmal kräftig heizen mussten, um alles wieder in Gang zu bekommen. Zum Glück hatte das Wassersystem keinen Schaden genommen.

Gegen Mittag wagten wir uns in langsamer Fahrt auf die spiegelglatten Straßen. Über Fort Worth und Dallas ging es ohne große Pause quer durch Texas. Die Fahrt durch den Süden der USA hatten wir uns etwas anders vorgestellt – jetzt wollten wir nur noch schnell dem Wintereinbruch entfliehen.

In Louisiana ließ der Frost nach, dafür regnete es in Strömen. Erst in Mississippi hatten wir die Schlechtwetterfront hinter uns gelassen und fühlten uns endlich wieder wohl. Grund war nicht nur das sonnige Wetter, sondern auch die liebenswerte Kleinstadt Vicksburg, die uns mit ihrem Südstaatenflair und viel Historie empfing.

Vicksburg hatte durch ihre direkte Lage am Mississippi eine wichtige strategische Bedeutung im amerikanischen Bürgerkrieg. Hier wurde vom 18. Mai bis zum 04. Juli 1863 eine entscheidende Schlacht der Union (Nordstaaten) gegen die Konförderation (Südstaaten) gewonnen. Mit der darauffolgenden Kapitulation von Port Hudson stand das gesamte Mississippi-Tal unter Kontrolle der Union. Im Gedenken an diese Schlacht und die Opfer wurde der Vicksburg National Military Park gegründet, der sich auf historischen Grund nahe der Stadt befindet.

Auch wir hatten unsere Schlacht gegen den unerwarteten Wintereinbruch fast gewonnen. Über Alabama fuhren wir direkt und auf dem kürzesten Weg ins sonnige Florida. Das große Welcome-Center an der I 10 begrüßte uns mit vielen Informationen und einem Glas frisch gepressten Orange-Juice. Wir waren endlich angekommen im Sunshine-State.

Dienstag, 2. Februar 2010

Unsere Tour wieder mal im Reisemagazin "Hobby heute"

Zum Vergrößern - einfach auf das jeweilige Bild Klicken!!!

















Donnerstag, 21. Januar 2010

24.11.2009 – 22.01.2010: Weihnachten in der Wüste


26.11.2009 - Von Los Angeles (CA) nach Phoenix (AZ)


Die Rückinfo über die problemlose Ankunft unseres Sohnes in Düsseldorf erreichte uns in Long Beach, nördlich von Los Angeles. Hier hatten wir noch zwei Tage am Pazifik verbracht, bevor wir uns von diesem Ozean für einige Zeit verabschiedeten.


Unser nächstes Ziel war Arizona, der Wüstenstaat, der für sein angenehmes Winterklima bekannt ist. Dort, wo viele wohlhabende Nordamerikaner im Winter leben wollten wir uns auch eine Auszeit vom Reisen gönnen. Nach über 30.000 km und vielen schönen Erlebnissen brauchten wir nicht nur etwas Erholung, sondern auch die Ruhe, um all die Dinge zu erledigen, die in den letzten Wochen zu kurz gekommen waren.


Nachdem der wahnsinnige Verkehr im Großraum Los Angeles hinter uns lag rollten wir recht entspannt Richtung Osten. Noch in Kalifornien liegt der 3200 km² große Joshua Tree NP, dessen Yucca-Bäume in der hier bereits wieder höher liegenden Halbwüste große Areale bedecken. Die Strasse ab Joshua Tree führt durch das zu Recht so bezeichnete Wonderland of Rocks. Vieles erinnerte uns an die Mojave Wüste und das Death Valley, Temperaturen von über 40 Grad Celsius sind auch hier im Sommer keine Seltenheit.


An der Grenze zu Arizona standen wieder die kalifornischen Grenzbeamten und kontrollierten die Einfuhr von Lebensmitteln und Agrarerzeugnissen. Uns ließ man auf der Ausreisespur unbehelligt passieren. Schon kurz nach der Staatsgrenze standen auf beiden Seiten der Interstate viele Wohnmobile in der Wüste. Wir stellten uns dazu und verbrachten unsere erste Nacht in Arizona. Erst auf der Weiterfahrt sahen wir die vielen Hinweise, die vor giftigen Spinnen, Schlangen und Skorpionen warnen. Wir werden ab jetzt ganz vorsichtig sein.

Der weitere Verlauf der Interstate 10 war eher unspektakulär – weitestgehend nur karges unbewohntes Land mit den für Arizona typischen Kakteen, welche über 4 Meter hoch werden können und hier wie Unkraut wachsen. Zäune entlang des Highways markieren den Landbesitz der Indianerstämme. Mehr als 25 Prozent der Fläche Arizonas ist Reservatland, in dem 22 heimische Indianerstämme mit insgesamt etwa 250.000 Menschen leben. Arizona hat den höchsten indianischen Bevölkerungsanteil in den gesamten USA.


Im Ballungsraum um Phoenix änderte sich das Bild schlagartig. Obwohl mitten in der Sonora-Wüste gelegen blüht es hier in allen Farben. Ausgedehnte Obst- und Gemüseplantagen, üppig begrünte Gärten und prachtvolle Golfplätze sind hier ebenso selbstverständlich wie die zahllosen privaten Pools. Die Stadt ist großzügig angelegt, die wenigen Hochhäuser im Zentrum stehen im Gegensatz zu der sonstigen großflächigen Bebauung mit neuen und historischen Gebäuden, schattigen Parks und kulturellen sowie sportlichen Treffpunkten. An Baugrund scheint es ebenso wenig zu mangeln wie am lebenswichtigen Nass. Das Wasser kommt über ein aufwendiges Kanalsystem von den umliegenden Seen und vom Colorado River. Umweltschützer warnen seit langem vor den Folgen dieser Wasserverschwendung, doch bis heute gibt es kaum Wasseruhren in den Häusern und das Wasser wird großzügig genutzt.


Der Großraum Phoenix liegt im sogenannten ‚Valley of the Sun’ mit mehr als 300 Sonnentagen im Jahr. Hier befinden sich unzählige RV-Parks und Winter-Resorts. Einen ganzen Tag lang haben wir verschiedene Resorts besichtigt und verglichen. Dabei war uns vor allem wichtig, eine gute Infrastruktur in der Umgebung zu haben, denn unser Hobby war ab Ende November nicht mehr versichert und damit stillgelegt.

In Mesa fanden wir dann das passende Resort, mit Stellplatz unter Palmen und einem schönen beheizten Pool mit Hot Tub. In einer intakten sozialen Gemeinschaft überwintern hier ausschließlich Kanadier und US-Amerikaner. Wir wurden sofort sehr freundlich aufgenommen und integriert, mussten immer wieder von unserer Reise sowie von Deutschland berichten und wurden zu Street Partys und so manchen Bier oder Wein über den „Gartenzaun“ eingeladen. So verlebten wir in Mesa eine wunderbare Adventszeit. Positiver Nebeneffekt dabei war auch, dass wir jeden Tag viel gesprochen haben und so unser umgangssprachliches Englisch verbessern konnten.

24.12.2010 – Weihnachten auf amerikanisch


Christmas in den USA ist nicht mit der besinnlichen Weihnacht in Deutschland oder in unserem heimatlichen Erzgebirge vergleichbar. Hier war alles schrill und bunt.

Riesige farbige Lichterketten lagen in den Gärten und über den Dächern aus, weiße Plastikbäume mit bunten Lichtern und Pappschneemänner in allen Größen standen fast vor jedem Haus und beleuchtete Rentiere bewegten sich in den Vorgärten. Santa Claus thronte aufgeblasen auf den Dächern oder kam gerade auf einem, von Hirschen gezogenen Sechsspänner-Schlitten an. Alle Lichter blinkten, oftmals sogar im Takt der im Hintergrund gespielten Weihnachtsmusik und die Strassen glichen nachts eher einem Rummelplatz.


Der Einkaufstrubel in den Geschäften war hingegen nicht so überzogen wie bei uns. Alles lief hier ruhiger ab. Vielleicht lag es auch daran, dass die großen Warenhäuser an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr geöffnet haben. Selbst am Heiligen Abend haben wir nicht viel Besinnlichkeit gespürt. Der 24.12. ist hier ein voller Arbeitstag, und so waren die Strassen bis spät in die Nacht voller Autos. Die allgegenwärtigen Fastfood-Restaurants hatten die ganze Nacht geöffnet und konnten sich nicht über zu wenig Kunden, meist ältere Menschen, beklagen. Eben ein ganz normaler Tag.


Wir wollten gern am Heiligen Abend eine amerikanische Kirche besuchen und hatten auch damit unsere Schwierigkeiten. Es gab in fast keiner Kirche in Mesa eine Christmesse, eigenartig in diesem so gläubigen Land. Doch dann wurde der Abend doch noch gerettet. Im Internet hatten wir über die Candlelight Christmas in einer modernen überkonfessionellen Kirche gelesen und waren dann völlig überrascht, als wir uns eher in einem Konzertsaal als in einer Kirche wiederfanden. Eine große, mit Scheinwerfern angestrahlte Bühne bildete den Mittelpunkt des Saales und auf den riesigen Monitoren, die an den Wänden hingen lief Werbung für diese Bible Church. Im Foyer des hochmodernen Kuppelbaues stand eine Harley, die als Hauptpreis einer Lotterie zu gewinnen war.


Link zu Phat Strad - Las Vegas


Mit Band und dem Electric String Quartet Phat Strad aus Las Vegas begann der Abend. Modern gespielte Klassik, Rock und Gospel heizten die „Gemeinde“ auf und viele hielt es nicht mehr auf ihren Plätzen, es wurde getanzt und mitgesungen. Nach einer kurzen Andacht, die mehr der Ansprache eines Showmasters glich, wurde das Licht im Saal gelöscht und der Pfarrer brannte die erste Kerze an. Davon ausgehen wurden die Kerzen, die jeder am Eingang erhalten hatte, von Hand zu Hand angezündet. Bei dem gemeinsamen a cappella gesungenen Weihnachtslied Silence Night (Stille Nacht) und den hunderten Kerzen kam dann doch noch etwas Weihnachtsstimmung bei uns auf.


Es war ein schöner Abend und eine interessante Erfahrung, dass Kirchen auch sehr neuzeitlich und unkonventionell sein können. Übrigens kann in einer modernen amerikanischen Kirche die Kollekte natürlich auch mit Kreditkarte bezahlt werden.


Der 1. Weihnachtsfeiertag ist für die meisten Amerikaner ein arbeitsfreier Tag, an dem dann auch die Geschenke verteilt werden und das festliche Weihnachtsessen stattfindet. Einen 2. Weihnachtsfeiertag gibt es nicht und so ging an diesem Tag schon wieder alles seinen gewohnten Gang.


Für uns war es sehr aufschlussreich, die Weihnachtsbräuche hier in Amerika so hautnah zu erleben. Es war unser erstes Weihnachtsfest ohne unsere Kinder und wir waren froh, dass alles so wenig feierlich ablief und wir nicht in trübe Stimmung verfielen.


05.01.2010 – Letzte Erledigungen und Start in Richtung Osten


Die Tage hier in Mesa vergingen wie im Flug – und wir hatten noch so viel zu erledigen. Eine neue Kfz-Versicherung war erforderlich und unsere Steuererklärung musste vorbereitet werden, eine Komplettreinigung unseres Hobby war überfällig und der Kauf von zwei neuen Reifen stand an. Bei Letzterem wurde unser Vertrauen in die unbegrenzten Möglichkeiten Amerikas schwer enttäuscht. Bei keinem der großen Reifenhändler in Mesa und Phoenix war unsere Reifengröße erhältlich. Wir wollten es nicht glauben und waren tagelang im Internet auf der Suche nach passenden Reifen – ohne Erfolg. Selbst der direkte Kontakt zu mehreren großen Reifenherstellern bestätigte uns nur die traurige Gewissheit, dass es in Nordamerika unsere Reifengröße nicht gibt.


Das an Hobby gerichtete Mail mit einer Anfrage zu alternativ montierbaren Reifengrößen wurde dort sofort an die Serviceabteilung weitergeleitet. Nach 2 Tagen hatten wir eine Bestätigung per e-Mail, dass „unsere“ Reifen auf dem Luftweg nach Phoenix unterwegs sind.


Unserem Start stand nun nichts mehr im Wege. Zum Glück, denn ich war schon seit einigen Tagen etwas unruhig – ich wollte endlich wieder „on the road“. Leider mussten wir den fest geplanten Besuch des Bryce - und Grand Canyon nun endgültig aufgeben. Frost bis Minus 15 Grad Celsius, immer wieder Schnee und trübes Wetter hätten uns die Freude an diesen großartigen Nationalparks verdorben. Bis zuletzt hatten wir auf eine Wetterbesserung gehofft – aber es sollte wohl nicht sein.


Der Abschied im Park war ein richtiges großes Ereignis. Mit vielen der netten Menschen waren wir mittlerweile sehr vertraut und fast alle kamen und wünschten uns, den Germans in ihrem kleinen Motorhome, noch eine gute Fahrt und viel Glück.

Dienstag, 29. Dezember 2009

06.11. – 23.11.2009: Mit Felix durch Kalifornien und Nevada


06.11.09 – Von Los Angeles nach Vallejo

Der Anruf kam pünktlich – unser Sohn Felix war gelandet. Noch eine gute halbe Stunde haben wir auf dem kleinen Parkplatz, nahe dem Airport, gewartet und sind dann langsam losgefahren. Auf der Zufahrtsstrasse wurden wir von der Airport-Police angehalten und kontrolliert. Nach genauer Inspektion des Innenraumes und der Staufächer konnten wir zu den Ankunftsterminals weiterfahren.


Parken war hier verboten und für die Parkhäuser war unser Hobby zu hoch. Ganz langsam fuhren wir den gesamten Ankunftsbereich ab – von Felix keine Spur. Ein zurück gab es nicht und so mussten wir den Airportbereich verlassen und zur Runde zwei starten – natürlich erst nach gewissenhafter Kontrolle durch die Airport-Police.


Wieder ging es in langsamer Fahrt zwischen Taxis, Bussen und Privatfahrzeugen auf der Einbahnstrasse durch den riesigen Ankunftsbereich des Airports. Hunderte Reisende warteten auf ihren Shuttleservice, drängten in die Taxis und Busse - nur unser Felix war nicht dabei. Petra versuchte immer wieder anzurufen, jedoch ohne Erfolg. Na dann, auf zu Runde drei – natürlich mit dem obligatorischen Sicherheitscheck. Einige Reisende winkten uns zu und lachten, wir waren ja mittlerweile bekannt – aber Felix war nirgends zu sehen. Was soll ich sagen, es gab auch noch eine Runde vier, doch diesmal war alles anders. Jetzt hat uns auch die Airport-Police wiedererkannt und ohne Kontrolle durchgewinkt, Felix ging ans Telefon und kurze Zeit später konnten wir ihn in unsere Arme nehmen.


Die Ehrlichkeit unseres Sohnes war der Grund für die zeitaufwändige Abfertigung. Um uns eine Freude zu machen hatte er ein großes Glas deutschen Senf, eine Flasche Arganöl und einige Gewürze mitgebracht und die Frage nach der Lebensmitteleinfuhr mit „Ja“ beantwortet. Fast eine Stunde haben die Zollbeamten dann gebraucht, um sich von der Harmlosigkeit unseres Sohnes und seines Gepäcks zu überzeugen.


Während Felix uns das berichtete rollten wir schon über die City-Highways nach Malibu, wo wir bei herrlichem Sonnenschein den Tag am Pazifik ausklingen ließen.


Nach einem ausgedehnten Frühstück - es gab ja so viel zu erzählen - starteten wir am nächsten Tag erst gegen Mittag in Richtung San Francisco. Wir waren die gleiche Strecke vor einigen Tagen schon einmal in entgegen gesetzter Richtung gefahren und kannten einige Highlights, die wir noch einmal gemeinsam besuchen wollten. Dazu zählte das liebenswerte Santa Barbara ebenso wie Morro Bay mit seinem 176 Meter hohen markanten Felsen vor der Küste. Wir verbrachten wieder eine Nacht auf dem kleinen Parkplatz, hoch über den Klippen, und konnten uns auch beim zweiten Mal schwer von der Beobachtung der Seeelefanten (Elephant Seals) trennen.


Diese großen Meeressäuger waren vor rund hundert Jahren vom Aussterben bedroht, bis sie 1911 erst in Mexiko und dann auch in Kalifornien unter Schutz gestellt wurden. Seeelefanten leben 11 Monate des Jahres im Meer, sie tauchen über 2000 Meter tief und können bis zu einer Stunde unter Wasser bleiben. An Land kommen sie nur um sich zu paaren, Junge zu gebären und sich zu erholen. Die sonst als Einzelgänger lebenden Tiere fühlen sich in dieser Zeit in der Kolonie wohl. Leider haben wir die Paarung nicht sehen können, sie ist ein besonderes Erlebnis. Anfang Dezember kommen die bis zu 4 Tonnen schweren Seeelefantenmännchen zur Kolonie und liefern sich erbitterte Kämpfe um den Anspruch auf einen Harem. 75 Weibchen und mehr hält sich ein Siegerbulle, die meisten Bullen gehen dabei leer aus. Die Natur ist eben ungerecht!


Auf der weiteren Fahrt war Felix von der rauen und unberührten Küste ebenso begeistert wie wir. Der als Big Sur Country bezeichnete Küstenabschnitt zwischen San Simeon und Point Lobos ist so unwegsam, dass die Küstenstraße erst 1937, nach 18 Jahren Bauzeit fertig gestellt werden konnte. Großartige Ausblicke auf die Steilküste und auf versteckte Buchten vor dem blauen Meer entschädigten uns für die Fahrt auf der engen serpentinenreichen Strasse. Erst in Carmel beginnt wieder die Zivilisation mit Tankstellen und Einkaufsmöglichkeiten.


In Monterey, der früheren und ersten Hauptstadt Kaliforniens haben wir noch einen ruhigen Tag verbracht, bevor wir zum Fährhafen Vallejo an der nordöstlichen San Francisco Bay gefahren sind.



12.11.09 – Sightseeing in San Francisco


Mit dem Wohnmobil nach San Francisco zu fahren wäre mehr als unvernünftig. Wir hätten keine Chance auf einen Parkplatz in der City und die engen und zum Teil sehr steilen Straßen sind überhaupt nicht wohnmobilfreundlich. Eine gute Alternative bieten die Fährverbindungen von Sausalito, Larkspur oder Vallejo nach San Fran, wie die Stadt von den Einheimischen genannt wird.


Vallejo hat einen großen kostenlosen und bewachten Parkplatz auf dem wir auch über Nacht stehen konnten und eine nette kleine „Altstadt“. Also starteten wir unsere Sightseeingtour nach San Francisco in Vallejo. Die Katamaranfähre brachte uns in gerade mal einer Stunde, vorbei an Alcatraz, der Golden Gate Bridge und Tresure Island nach Downtown.


San Francisco ist für viele die schönste und interessanteste Stadt Nordamerikas. Im Financial District, nahe dem Ferry Terminal spürten wir davon noch nicht viel. Die modernen Bürotürme der Banken, die Hochhäuser und Straßenschluchten, in die kaum ein Sonnenstrahl fällt unterscheiden sich kaum von denen in anderen nordamerikanischen Großstädten. Aber schon am Union Square ist es typisch San Fran. Wir saßen in der Sonne und beobachteten das bunte Leben um uns herum. Menschen verschiedenster Nationalität und Hautfarbe schlenderten über den Platz, saßen in den Straßencafes oder widmeten sich ausgiebig dem Shopping. Neben uns wurde ein riesiger Weihnachtsbaum aufgestellt, was nach unserer Ansicht überhaupt nicht zu dem warmen Spätsommerwetter passte.


Von hier war es nicht mehr weit bis nach Chinatown. Wir gingen durch das Dragon Gate, ein buntes chinesisches Tor, und fanden uns in einer anderen Welt wieder. Es roch nach exotischen Gewürzen, lärmende Händler versperrten mit überquellenden Gemüseständen und Auslagen die Gehwege, Chinesen jeden Alters drängten sich zwischen den Verkaufsständen und Geschäften. In den Garküchen hing fetttriefendes Geflügel und allerlei Undefinierbares, was unseren Appetit auf chinesische Speisen dämpfte.


Nur wenige Straßen weiter duftete es nach ofenfrischer Pizza und Espresso. Die selbstbewusst an jedem Straßenbaum angebrachten grün-weiß-roten Streifen wären nicht notwendig gewesen um zu erkennen, dass wir uns im italienischen District befanden. So interessant Chinatown auch war, hier am North Beach fühlten wir uns wohler und ließen uns den Cappuccino im Straßencafe schmecken.


Wir hatten für San Francisco nur einen Tag geplant, viel zu wenig für diese großartige Stadt. So versuchten wir gar nicht erst viele Attraktionen abzuhaken sondern nahmen bei unserem kurzen Stadtspaziergang möglichst viele Eindrücke des typischen Lebens auf. Über die Lombard Street, die für eine gerade Straßenführung viel zu steil war und deshalb mit neun Haarnadelkurven gebaut wurde, bummelten wir zum Hyde Street Pier. Hier befindet sich eine Endstation der Cable Cars, an der die Wagen noch wie vor 140 Jahren mit Muskelkraft gedreht werden.


Alcatraz lag vor uns in der Bucht und wir konnten es kaum glauben, dass es seit 1934 das ausbruchssicherste Gefängnis in den USA war. Obwohl nahe am Festland gelegen war vor allem die heimtückische Strömung in der Bucht dafür verantwortlich, dass jeder Ausbruchversuch gescheitert ist.


„Berühmtester“ Häftling auf Alcatraz war der Mafiaboss Al Capone, der am touristisch geprägten, trotzdem aber typischen und sehenswerten Fishermans Wharf für allerlei Souvenirs herhalten musste. Am Pier 39 ließen wir uns köstliches Seafood schmecken und schlenderten im Strom der vielen Besucher über die Piers, vorbei an Läden und Ständen mit überquellenden touristischen Angeboten.


Dann wurde es Zeit für die Rückfahrt. Mit der Katamaranfähre waren wir schnell wieder in Vallejo, wo unser Basko im Hobby auf uns wartete.


14.11.09 – Im Yosemite Nationalpark


Nur 300 Kilometer von San Francisco entfernt liegt der Yosemite Nationalpark, einer der beliebtesten und meistbesuchten Nationalparks der USA. Die Strecke war schnell gefahren, so dass wir schon am frühen Nachmittag auf dem Campground am Greenley Hill ankamen und die Zeit nutzten, um leckeres Schwarzbrot zu backen und um einen schönen Grillabend vorzubereiten.


Trotz unseres kräftigen Feuers mussten wir uns bald in den Hobby zurückziehen. Es wurde empfindlich kalt und in der Nacht fiel die Temperatur unter den Gefrierpunkt.


Unsere Hoffnung, dass der Tioga Pass (3000 m) in Richtung Osten noch geöffnet ist wurde enttäuscht. Vor einigen Tagen gab es starke Schneefälle und die Passstraße war, wie auch die Straße zum Glacier Point, geschlossen. Damit war uns an dieser Stelle der Weg über die Sierra Nevada versperrt. Zugänglich waren das Yosemite-Valley mit seinen schönen Wanderwegen und die südliche Parkausfahrt.


Das Yosemite-Valley, zugegeben das Filetstück des Parks, belegt nur 1 % der Fläche des gesamten Nationalparks - aber genau hierher kommen die meisten der jährlich ca. 4 Millionen Besucher. Hier erhebt sich der El Capitan, ein 1000 Meter hoher Monolith, fast senkrecht über die Ebene und der Merced-River schlängelt sich lieblich durch das Tal.


Der Nationalpark ist für seine große Anzahl an Wasserfällen bekannt, die zu den höchsten Nordamerikas zählen. So stürzt am Ribbon Fall das Wasser 492 Meter in die Tiefe. Während unseres Besuchs führten die Wasserfälle jedoch wenig Wasser und waren nicht so attraktiv wie nach der Schneeschmelze im Frühjahr.


Mit einem spektakulären Ausblicken vom Tunnel View zum El Capitan und zum Half Dom verließen wir den Nationalpark in Richtung Süden. Unser nächstes Ziel war das Death Valley. Wegen der gesperrten Passstraße mussten wir die Sierra Nevada weiträumig umfahren, denn erst bei Bakersfield zweigte die nächste geöffnete Straßenverbindung nach Osten ab.


16.11.09 – Durch das Death Valley


Wir verließen in Bakersfield den Highway # 99 und fuhren über schmale Nebenstraßen in die karge Bergwelt der Sierra Nevada. Gut bewässert wuchsen hier üppige Orangen- und Zitronenbäume bis uns schlagartig wieder unfruchtbares und trockenes Land umgab. Der schön gelegene Lake Isabella war ideal war für eine Übernachtung bevor wir am nächsten Morgen über Ridgecrest ins Death Valley fuhren.


Irgendwie hatte ich die Entfernungen falsch eingeschätzt und verpasst in Ridgecrest vollzutanken. Zur Sicherheit haben wir in Panamint Springs, an der letzten und einzigen Tankstelle, nachgetankt und statt 2,80 $ stolze 4,20 $ pro Gallone bezahlt. Mit vollem Tank und einem ruhigen Gewissen fuhren wir weiter hinein in das Tal, in eines der trockensten und heißesten Gebiete der Erde.


Eingebettet zwischen zwei Gebirgsketten der östlichen Sierra Nevada, fast ohne Luftbewegung und mit weniger als 5 cm Niederschlag im Jahr herrscht hier ein menschenfeindliches Klima mit Temperaturen bis zu 50 Grad Celsius.


Der November ist im Death Valley ein bevorzugter Reisemonat. Die Mittagstemperaturen waren trotzdem höllisch und bei unserer Wanderung durch den Golden Canyon konnten wir nachempfinden, warum immer wieder vor der Hitze und einer möglichen Dehydrierung gewarnt wird. Abseits der üblichen Wege besteht bei einer Panne oder Verletzung ein lebensgefährliches Risiko. Erst vor einigen Tagen wurden die Skelette eines seit 1994 vermissten Paares aus Dresden gefunden. Wir blieben ausschließlich auf den stärker frequentierten Wegen und durchquerten das Tal in zwei Tagen. Dabei waren wir von der kargen aber abwechslungsreichen Landschaft begeistert. Die schroffen Felsen sind am Artists Drive durch die Ablagerungen von Mineralien bunt gefärbt und die erodierten Canyonwände bilden bizarre Formen.


Am Badwater Point erreichten wir den tiefsten Punkt Nordamerikas. 85 Meter unter dem Meeresspiegel liegt der ausgetrocknete prähistorische Lake Manly, dessen Boden heute größtenteils mit groben Salzkristallen bedeckt ist. Hoch oben an der Felswand steht die Markierung für die Höhe des Meeresspiegels.


In der Dämmerung verließen wir das Death Valley in Richtung Nevada.

18.11.09 – Las Vegas


Bei der Fahrt durch die eintönige Wüste waren wir nochmals in Gedanken bei den zwei zuletzt besuchten Nationalparks, die unterschiedlicher kaum sein konnten und nur 250 Kilometer auseinander liegen. Ähnlich kontrastreich war auch der Übergang von der öden Wüste Nevadas zur Megametropole Las Vegas.


Am deutlichsten wird dies, wenn man wie wir in der Nacht in Las Vegas ankommt. Schon viele Kilometer vor der Stadt sahen wir den Lichtschein am sonst dunklen Himmel.


Die Stadtrandsiedlungen waren schnell passiert und als ob sich ein Vorhang öffnete standen wir plötzlich auf dem Las Vegas Boulevard, besser als Las Vegas Strip bekannt, und sind geblendet von den überdimensionalen Leuchttafeln, der fast taghellen Beleuchtung und den überschwänglichen Lichteffekten. Jedes Hotel, jedes Casino will herausstechen und mit einer noch aufwändigeren Lichtshow auf sich aufmerksam machen. Die Summe dieser Nightlights ist wohl einzigartig.


Viel Zeit blieb uns nicht zum Staunen, der Verkehr rollte und wir mussten unseren Campground finden, was sich als nicht sehr schwierig herausstellte.


Natürlich ging es am Abend noch mal auf den Strip. Zum ‚Treasure Island’ kamen wir gerade rechtzeitig um die Show „Sirens of Tresure Islands“ zu erleben, am ‚Mirage’ wurde mit vielen Effekten ein Vulkanausbruch simuliert und das elegante ‚Bellagio’ empfing uns mit gigantischen nach Musik tanzenden Wasserfontänen.


Bis zum ‚New York-New York’ sind wir an diesem Abend noch geschlendert und dann den ganzen Weg zurück. „Für den ersten Tag reicht es“ meinte Petra, als wir weit nach Mitternacht auf unserem Campground beim Hotel ‚Circus-Circus’ ankamen.


Der nächste Tag war „ausgefüllt“ mit Nichtstun – also faulenzen, im Pool baden, sonnen, lesen und uns auf den zweiten Abend in Las Vegas einzustimmen.

Dieser begann im ‚Wynn’, dem mit einer Bausumme von 2,7 Milliarden teuersten Hotel der Welt. Hier ist alles Luxus pur, vom 18-Loch Golfplatz, dem künstlichen See und der Wasserrevue Le Rêve bis zur Kunstausstellung mit Leihgaben vom Hotelbesitzer Steve Wynn oder dem hauseigenen Ferrari- und Maserati-Fuhrpark für Hotelgäste. In der hotelinternen Shoppingmall könnte man viel Geld für exklusive Luxusartikel ausgeben. Besonders interessierten wir uns für die Uhren von A. Lange & Söhne aus der sächsischen Uhrenmanufaktur in Glashütte. Die nette fachkundige Beraterin hat sich sehr um uns bemüht – und dann haben wir doch noch Geld im Wynn gelassen. Aber nicht beim Juwelier sondern am Roulettetisch. Unser 20 Dollar Spieleinsatz, kurzzeitig auf über 30 Dollar angewachsen, hatte dann aber doch innerhalb kurzer Zeit den Besitzer gewechselt.


Als nächstes sind wir auf wenigen Metern von Venedig nach Paris gelaufen – zumindest in der Kulissenwelt von Las Vegas. Am ‚Venetian’ steuerten Gondoleros singend ihre Gondeln auf einem nachempfundenen Canal Grande durch die Rialto-Brücke zum Markusplatz. Unmittelbar daneben standen wir unter dem Eifelturm, der im Maßstab 1:2 über der Pariser Oper und dem Louvre steht.


Hier ist alles so kitschig, dass es schon wieder interessant wirkt – und die Amerikaner und ihre Gäste sind begeistert. „Warum sollte ich für viel Geld nach Europa fliegen, wir haben doch alles hier“ sagte uns lachend ein amerikanischer Tourist, der jedes Jahr mehrmals nach Las Vegas kommt und sich hier immer wieder wohlfühlt.


Für uns war es auch wieder ein tolles Erlebnis – aber zwei Abende in dieser Stadt reichten uns völlig.



21.11.09 – Durch die Mojave-Wüste zurück nach Los Angeles


So traurig es für uns alle auch war, der kurze Besuch unseres Sohnes war fast vorbei. Für die Rückfahrt nach Los Angeles haben wir die Strecke durch die Mojave-Wüste, eine 6500 km² große Wüstenlandschaft mit Sanddünen, vulkanischen Aschekegeln und Felsen, gewählt. Die Straße von Baker führte uns durch ein Gebiet mit unzähligen Joshua-Palmlilien, die hier den extremen Bedingungen trotzen.


Mitten in der Wüste liegt Kelso, ein kleiner Ort der heute aus kaum mehr als dem Bahnhof besteht. An der Bahnstrecke zwischen Salt Lake City und Las Vegas gelegen war der Ort ab 1906 als Versorgungsstation schnell gewachsen und in den 50er Jahren zur Geisterstadt verkommen. Der 1923 im Stil der spanischen Missionszeit erbaute Güterbahnhof wurde unlängst von der Nationalparkverwaltung übernommen und grundlegend restauriert. Er ist heute wieder ein Schmuckstück und das Zentrum des Mojave National Preserve.


Auch Calico ist eine Geisterstadt, die heute touristisch vermarktet wird. 1881 gegründet wuchs auch sie sehr schnell auf über 1200 Bewohner an. 500 Silberminen wurden im Umfeld der Stadt betrieben bis der Silberpreisverfall keinen rentablen Betrieb mehr zuließ. So schnell wie sie gewachsen war verkam Calico Ende des 19. Jahrhunderts zur Ghost Thown – eine typische Entwicklung im Westen der USA. Die Stadt lohnte jedoch den kurzen Umweg von der Interstate # 15 und war für uns eine willkommene Abwechslung auf dem eintönigen Highway. Spät am Abend erreichten wir Corona, wo wir noch einen letzten gemeinsamen Tag mit Felix verbrachten.


Der Abschied am Airport fiel uns wieder sehr schwer. Für uns alle ging eine schöne gemeinsame Zeit zu Ende und Felix war in Gedanken schon bei der Planung seines nächsten Urlaubs – natürlich mit uns gemeinsam im Hobby Reisemobil.